Stadtharmonie begeistert im Saarland

VS-Villingen/Friedrichsthal – „Städtepartnerschaft bedeutet nicht, dass sich die Bürgermeister zweier Städte gut verstehen. Sondern, dass sie auf den unteren Ebenen gepflegt wird.“ Diese Aussage stellte der Vorsitzende der Villinger Stadtharmonie Villingen, Reiner Uhlenbrock, unter Beweis.Zum ersten Mal war die Stadtharmonie in der saarländischen Partnerstadt Friedrichsthal zu Gast.

 

Wenngleich die Konzertreise auf Vereinsinitiative beruhte, repräsentierte der Musikverein sich auch als musikalischer Botschafter und festigte das Band der Städtepartnerschaft, die im nächsten Jahr bereits seit 75 Jahren besteht.

Bei einem Empfang im Rathaus in Friedrichsthal erinnerte der ehemalige Bürgermeister der Stadt, Werner Cornelius, wie die Partnerschaft zwischen den Städten zustande kam. „1933 reiste ein Gesangverein aus dem Stadtteil Bildstock nach Villingen. Es stellte sich heraus, dass der Vorsitzende des Vereins und der damalige Bürgermeister denselben Namen hatten.“ Diese Gemeinsamkeit genügte, 1937 wurde der Partnerschaftsvertrag unterzeichnet.

Damit gilt die Partnerschaft, die im nächsten Jahr ihr 75-jähriges Bestehen feiert, gleichzeitig als älteste Partnerschaft zweier Städte im gesamten Saarland, wie Cornelius sagte. In den vergangenen knapp 25 Jahren sind die offiziellen Kontakte zwischen den beiden Städten allerdings nahezu eingeschlafen. Der letzte offizielle Besuch fand 1987 statt. Damals lernte Uhlenbrock den Ort und die Menschen in Friedrichthal als SPD-Mitglied des Villinger Gemeinderats kennen und schätzen. Er und seine Frau pflegen bis heute enge Kontakte zu den Menschen dort. Die rund 70 Musiker und Begleitpersonen, darunter auch eine Abordnung des Spielmannszuges, erhielten an den beiden Tagen einen Einblick in das Leben im Saarland, das sich heute als farbenfrohe und aufblühende Region präsentiert.

Dass das dort, wo einst der Bergbau und die Stahlproduktion eine bedeutende Rolle spielten, nicht immer so war, erfuhren sie bei einem Besuch in der von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannten Völklinger Hütte. Die Villinger Besucher bekamen einen Einblick in die frühere Eisen- und Stahlproduktion. Von der Tatsache, dass bis zur Schließung 1986 täglich tonnenweise Dreck in die Luft geschleudert wurde, der die Region in ein trübes Grau hüllte, erinnern heute nur noch vereinzelt verrußte Hausfassaden.

Natürlich präsentierte sich die Stadtharmonie auch musikalisch. Bei einem Gastkonzert in der Kirche von Bildstock, einem der Stadtteile von Friedrichsthal, hat das Orchester seine Fangemeinde auf einen Schlag um mehrere hundert Mitglieder erweitert. Als Mitwirkende für ein Benefizkonzert zu Gunsten eines Afrikaprojektes der dortigen Kirchengemeinde bot das Orchester unter der Leitung von Mario Mosbacher einen Auszug aus seinem konzertanten Programm. Mit Auszügen aus „Phantom der Oper“, Lord of the Dance“ und einem Rockpotpourri von Santana riss das Orchester das Publikum mit und sorgte mit „Highland Cathedral“, der inoffiziellen schottischen Nationalhymne, für Gänsehaut bis in die letzte Reihe des vollbesetzten Kirchenschiffs.

„Meine Erwartungen wurden doppelt erfüllt“, zeigte sich Reiner Uhlenbrock am Ende der zweitägigen Reise zufrieden. Zum einen begeisterte der Musikverein mit seinem Konzert eine große Besucherschar. Zum anderen waren die Vereinsmitglieder von der Herzlichkeit der Saarländer überzeugt.

 

Glosse Roland Sprich

 

GlücklichmacherAuf den Anblick des alten Villinger Stadtwappens brauchten die Musiker der Stadtharmonie auf ihrer Konzertreise im Saarland nicht zu verzichten. Das prangte gleich mehrfach im denkmalgeschützten Rathaus der Partnerstadt Friedrichsthal.


Dort ist die 1937 begründete Partnerschaft nach wie vor präsent. Auch oder obwohl die Verbindungen auf kommunalpolitischer Ebene in den vergangenen 25 Jahren nahezu eingeschlafen sind. Ob die Stadtharmonie diese ruhende Verbindung mit ihrem zweitägigen Kurzbesuch aus dem Dornröschenschlaf gerissen hat, lässt sich freilich nicht sagen. Mit ihrer Musik hat sie sie aber zumindest sanft wach gerüttelt. Und dabei den ein oder anderen Fan dazu gewonnen. Noch während die Musiker auf der Heimreise waren, ereilte sie die Nachricht über eines der sozialen Netzwerke im Internet, wonach eine Zuhörerin schrieb, dass ihr die Stadtharmonie „wahre Glücksgefühle beschert hat.“ Dies freute die Musiker natürlich sehr. Ist es doch deren Bestreben, andere Menschen mit ihrer Musik zu erfreuen. Und vielleicht war die Reise der Auftakt, alte Freundschaften wieder neu aufleben zu lassen. Eine Gelegenheit dazu wäre das 75-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft im nächsten Jahr.

 

Quelle: 31.05.11 Südkurier

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